Meine Güte habe ich hier was verpasst!
Also, frisch zurück aus der Stadthalle Germering, wo der letzte Tour-Termin der "My fair lady"-Tour mit Ilja Richter und Gunther Jämmerlich.... äh, Emmerlich war. Die Info, dass es die letzte Show war habe ich von der Gunther Emmerlich-Fanclub-Seite, die einen Besuch wert ist. Besonders die Satzung, die leicht diktatorische Züge trägt...
Die letzte Pause hatten die Menschen auf der Bühne am 8.Mai, waren also seit 20 Tagen ununterbrochen am performen, was für Deutschland ne menge ist - hier gibt's ja keine 8 Mal die Woche-Kultur.
Das Stück war natürlich von der Musik her erwartungsgemäß gut. Das überraschende war, dass die Darsteller meines Erachtens ohne Mikrophone sangen, was in der Halle mit Tausend Leuten kein Vorteil war, zumal das Orchester mit 13 Leuten gerade zu Bahnbrechend groß war (wenn man bedenkt, dass heute alles für bass, schlagzeug und drei Keyboards orchestriert wird...). Problemtaisch war der Sound allemal, da der Schlagzeuger des nur aus Tschechen bestehenden Orchesters (hatten alle ein -ov oder als Frauen ein -ova hinten am Namen) sehr laut eingestellt war. Dadurch konnte ich die teilweise interessanten Schlagzeugparts zwar hervorragend beurteilen, das hatte aber zur Folge, dass einige Up-Tempo-Nummern wie Techno wirkten, da man gerade die Basedrum unglaublich hörte.
Dem Publikum hätte Techno übrigens nicht gefallen, denn das Durchschnittsalter war cirka 75. Ich denke Gunther, der sogar Szenenapplaus nur für seinen ersten Auftritt bekam, hat da ein bisschen die Leute gezogen.
Emmerlich und Richter spielten solide, sangen auch solide, jeder auf seine Art. Emmerlich holte seine tierische Bassröhre gerne raus und gab einen sehr profunden Alfred Doolitle. Einziges Manko: Im Gegensatz zum Cast, der sämtlich aus studierten musicaldarstellern bestand, bewegte sich Gunni (im Programmheft als der "sächsische Bär" bezeichnet) überhaupt nicht. Es gab während "Ei, heute Abend mach ich Hochzeit" gar eine Kickline, die bei ihm mehr eine "Ich krieg mein Bein mit Mühe hoch"-Line wurde. Meni Bruder will beobachtet haben, dass er zu fett war um sich zu verbeugen. Aber das ist ein böses gerücht und seine Anwälte werden drauf bestehen, dass dem nicht so war.
Richter schaffte es seine Affektiertheit, die er ja bis zum Exzess in "Disco" in den 70ern zur SChau gestellt hatte, fast komplett zu unterdrücken. Er sang weitaus besser als Rex Harrison, der mit seinem Sprechgesang ja wirklich jede noch so lyrische Meldodie in den Sand setzt. Insgesamt hätte ihm etwas mehr Bewegung gut getan, obwohl er sich immer noch mehr dazu aufraffte als Gunni. Insgesamt sehr solide.
Eine Enttäuschung war die Eliza. Nun gut, nicht jeder kann Julie Andrews sein, das mag einzusehen sein, aber so unspritzig? Zudem war sie zu fett. Für meine Begriffe zumindest, denn sie platzte leider aus ihrem an sich recht hübschen Kleid fast raus. Man hätte von ihr erwartet, dass sie in dieser Riege der alten Herren (Richter, Emmerlich und der Herr, der Pickering spielte und nebenbei wie dem Programmheft zu entnehmen war, der Spielleiter der Wiederaufnahme war) ein bisschen für frisches Blut gesorgt hätte, da sie aber selber schon mindestens 35 war, war das offensichtlich nicht zu verlangen. Sie sang im ersten Teil gruselig, was sich aber als Konzept herausstellte, denn sobald Eliza sprechen konnte, konnte sie plötzlich auch singen. Dieses konzept halte ich trotzdem für fragwürdig. Für SEHR fragwürdig.
Die Angestellte Higgins' wurde von eienr Ungarin gespielt, die mit ihrem Akzent zumindest zu meiner Erheiterung beitrug. "Kchom mit, Määädchen, in die Baadewaaaanääää!" Und am Ende von "Kann eine Frau nicht sein wie ein Mann" wurde das "Wie ich?" von Ihr gesungen, was recht niedlich war. Sie verbeugte sich sehr professionell, gönner- und Divahaft, nicht zuletzt, weil sie wohl als Opernsängerin besser Tage gesehen hatte, in denen sie Rollen spielte, in denen auch GESUNGEN wurde. Zum Beispiel Madame Butterfly oder Pamina.
Der Freddy war okay, der Rest des Ensembles tanzte und sang auch recht wacker...
Die Ausstattung war mittelprächtig, aber einer Tour angemessen. Schließlich sind die Bühnenteile keine Festinstallationen und müssen überall schnell aufgebaut werden können. Also ganz okay.
Zu erwähnen vielleicht noch, dass die Produktion eine Menge zusätzlicher Gags mit hereinnahm unter anderem den unvermeidlichen "Lokal"-Gag, als Doolittle zum Kneipier sagt: "Sie sollten mal nach Germering kommen und dort ins Gasthaus zur Post gehen, und sehen wie es da ist!" etc. Das semi-senile Publikum fand's zum brüllen.
Insgesamt also angenehm, nett, aber nicht der Abschuss. Efrischend mal ungarischen Akzent zu hören statt amerikanischen. Eine solide Leistung, von denen man sich mehr wünschen würde. Einziges großes Manko: Der Sound...
I'm the german Ethel Merman, don't you know... ;-)